Die Bürgervereinigung stellt sich vor

Die Bürgervereinigung Sandhofen versteht sich als Organisation, die sich den Vereinen und den Bürgerinnen und Bürgern des gesamten Stadtteils Sandhofen verpflichtet fühlt.

So bietet die Gemeinnützige Bürgervereinigung Veranstaltungen an, die allgemein zugänglich sind. Traditionelle Veranstaltungen wie der Neujahrsempfang, die Maibaum-aufstellung, die Kerwe, der Adventsmarkt, die Weihnachts-baumbeleuchtung und die Totengedenkfeier enthalten stets eine besondere Note hinsichtlich Programm und Umfang. Dabei baut die Bürgervereinigung auf - wie gesagt - traditionellem Brauchtum, ohne sich den modernen, zeitgemäßen Anforderungen zu verschließen. So haben es beispielsweise die Macher der Kerwe geschafft, die Anfang dieses Jahrtausend etwas ins Hintertreffen geratene Veranstaltung zu einem Top-Ereignis zu entwickeln, das inzwischen weit über die Grenzen Sandhofens Beachtung findet.

Dies war nur möglich, weil sowohl Vereine als auch viele ehrenamtlich wirkende Persönlichkeiten bereit sind, ihre Freizeit für Tätigkeiten zu opfern, die dem Allgemeinwohl zugute kommen und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger fördern. Dieses Engagement und die Bereitschaft seine Kenntnisse und seine Arbeitskraft einem gemeinnützigen Zweck zur Verfügung stellen, ist das Fundament, aus dem die Bürgervereinigung lebt.

Strukturell baut die Bürgervereinigung seit Jahren auf ihre drei Arbeitskreise "Gesellschaft und Soziales", "Vereine" und "Kultur und Heimatforschung", um ihre satzungsgemäßen Ziele zu erfüllen. Dass Ganze geschieht unter dem Dach des geschäftsführenden und des erweiterten Vorstandes. Als weitere wichtige Organschaften wären noch der Ältestenkreis und der Ehrenausschuss zu nennen.

Nachdem die Bürgervereinigung in den vergangenen Jahren ihre eigene Geschichte, aber auch die Geschichte Sandhofens über mehrere Publikationen dokumentiert hat, freut es uns insbesondere, dass wir ab sofort wieder unseren Dokumetations- und Berichtsanspruch über das Internet nachkommen können. Wir sehen auch dieses neue Medium als geeignet an, um schnell, aktuell zu informieren und stets nahe am Bürger zu sein. Auch sollen die Seiten des neuen Internetauftritts als Beitrag zur Förderung der Identität Sandhofens als traditionsbewußter und eigenständiger Stadtteil Mannheims verstanden werden.

Im Jahr 2018 feiert die Gemeinnützige Bürgervereinigung Mannheim-Sandhofen e.V. übrigens ihr 100jähriges Jubiläum sicherlich wieder mit einer Reihe von hochkarätigen Veranstaltungen ganz in der Tradition der 1100-Jahrfeier Sandhofens oder des 100jährigen Eingemeindungsjubiläums des Jahres 2013.


Totengedenkfeier
Weihnachtsbaumbeleuchtung
Kerwe Sandhofen
Adventsmarkt

Rückblende

Anzeige aus dem Sandhofer Anzeiger vom 12.11.1918
Gründungsmitglied, Vorsitzender und Ehrenpräsident Karl Keßler
Gründungsmitglied, Vorsitzender und Ehrenpräsident Karl Schweizer
Gründungsmitglied und Vorsitzender Josef Litters
Vorsitzender und Ehrenpräsident Karl Keßler jun.
Vorsitzender Herbert Wolf
Vorsitzender (1975 - 2016) und Ehrenpräsident Prof. Dr. Egon Jüttner

Im Jahr 2018 wird die Bürgervereinigung Sandhofen ihr 100jähriges Bestehen feiern. Grund genug, sich den Spuren ihrer Anfänge in einer Rückblende zu nähern.

Die ersten Ansätze, einen "Gemeinnützigen Verein" zu gründen gehen auf das Jahr 1914 zurück. Karl Keßler sen., der Herausgeber des Sandhofer Anzeigers, rief in einem Artikel des Blattes mit dem Titel "Selbst ist der Mann", zur Gründung eines solchen Vereins auf. Er beklagte in diesem Beitrag unter Anderem das lethargische Verhalten der Bevölkerung in gemeindepolitischer Hinsicht und beanstandete, dass gegenüber den Behörden keine Beschwerden und Anregungen erfolgten. Es sei viel in kommunaler und sozialpolitischer Hinsicht für unseren Stadtteil zu sorgen. Dabei wurde er durchaus konkret und benannte bereits klare Aufgaben für einen künftigen Gemeinnützigen Verein: eine Volksbibliothek, ein Freibad im Rhein, eine Walderholungsstätte und Spielplätze. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ließ die Idee Kesslers zunächst scheitern.

Am 12. November 1918 startete Keßler einen zweiten Versuch. Er rief abermals in einem Artikel des Sandhofer Anzeigers zur "Gründung einer Vereinigung zur Wahrung der Interessen der Bürger des Stadtteils Sandhofen-Scharhofs" auf. Seine Forderungen aus dem Jahr 1914 fanden sich zum großen Teil nun auch in seinem jetzigen Aufruf wieder.

In der einberufenen Versammlung am 17. November 1918 wurde der als überparteilich und überkonfessionell bezeichnete Gemeinnützige Verein Mannheim- Sandhofen "zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der Einwohner Sandhofens" im Lokal "Zum Durlacher Hof" (heute Altes Fass) aus der Taufe gehoben. Der erste gewählte Vorstand setzte sich aus Vertretern fast aller Berufsgruppen zusammen.

In der ersten Versammlung wurde umgehend ein Forderungskatalog aufgestellt, der sich u. A. mit der Erfüllung von Ansprüchen befasste, die aus den Eingemeindungsbedingungen resultierten. Die erste Prioritätenliste umfasste den Bau einer Elektrischen Straßenbahn, Verbesserung der Wege und Straßen sowie Ausbau der Kanalisation. Ein weiteres Interesse galt der Erweiterung des Gemeindesekretariates und der Errichtung einer Volksbibliothek.

1919 wirbelte vor Allem der Zustand und die Instandhaltung der Straßen und Gehwege viel Staub auf. Die geforderte Einführung der Müllabfuhr erfolgte 1920. Ab Ende 1920 fuhr die elektrische Straßenbahn immerhin bis zur Zellstofffabrik. Der Straßenbahnanschluss Sandhofen wurde aber erst 1922 mit dem letzten Teilstück von der Hanfstraße bis zur Endhaltestelle am "Stich" verwirklicht und beendet.

In § 37 der Eingemeindungsbedingungen war festgeschrieben: "Wegen Errichtung eines städtischen Flußbades im Rhein hat die Stadtverwaltung alsbald nach der Einverleibung mit den zuständigen Staatsbehörden in Verbindung zu treten."  Das gewünschte Flussbad auf Pontonss mit Laufstegen und Umkleidekabinen, zwei Becken von 1 Meter und 1,40 Meter Tiefe wurde im Altrhein in Hohe der Jutespinnerei verankert. Es entpuppte sich nicht nur als idealer Ort, dem Schwimmvergnügen zu fronen, sondern auch als Magnet für die Jugend. Wegen der zunehmenden Rheinverschmutzung hatte aber ein Strandfreibad oder Flussbad auf lange Sicht keine Zukunft. Ein neues Freibad erhielt Sandhofen allerdings erst 1961, erneut auf Betreiben des Gemeinnützigen Vereins. Den Altrhein nutzen heute Segler, Paddler und Kanuten.

Die 1905 errichtete Kleinkinderschule in der heutigen Bartholomäusstraße beherbergte später die Gewerbe- und Kochschule. Mitten in die Diskussionen des Jahres 1922 um ein neues Schulgebäude platzte die Meldung, dass die Stadtverwaltung die Absicht habe, die hiesige Fortbildungs- und Gewerbeschule zu schließen und nach Mannheim zu verlegen. Auch die bisherige Lehrmittelfreiheit, ebenfalls ein Privileg aus den Eingemeindungsbedingungen, wurde in Frage gestellt. Trotz heftigster Proteste aus den Reihen des Gemeinnützigen Vereins konnte das Aus der Gerwerbeschule nicht verhindert werden. Sie wurde 1923 geschlossen. Heute befindet sich in den Gebäude neben einen katholischen und evangelischen Kindergarten das Heimatmuseum Sandhofen.

Im Jahre 1926 beschäftigte sich der Gemeinnützige Verein vor Allem mit den Themen Erbauung der Kanalisation, Erschließung von baureifem Baugelände und Friedhofsangelegenheiten. Der 1902 erbaute alte Friedhof in der Sonnenstraße verschwand 1929, um dort einer Grünanlage mit Spielplatz für die Jugend und Promenadenweg mit Anlagebänken für die Erwachsenen Platz zu machen (Karl-Schweizer-Park). Der Friedhof Sandhofen befindet sich seitdem bis heute im Viernheimer Weg. 

Als letzte größere Protestversammlung des Vereins vor seinem Betätigungsverbot von 1933 ist uns die von 1929 bekannt. Es ging dabei um die Auflösung von Allmendgelände im Ried- und Wiesengewann sowie um die Anlage eines Schulspielplatzes im Gewann Wiese. Bis 1933 wurde es um den Gemeinnützigen Verein merklich stiller. In der Zeit zwischen 1933 bis 1945 war ein politisch-gesellschaftliches Wirken im bisherigen Sinne nicht mehr möglich. Ein Protokoll aus dem Jahr 1939 hält fest: "Im Jahre 1939 wurde die Bibliothek verboten, die Bücher und Schriften gestohlen". Man traf sich trotz des Verbots bei unauffälligen Stammtischgesprächen. Erst nach 17jähriger Zwangspause rief man 1950 den Verein wieder ins Leben. 

Zur Wiedergründung des Gemeinnützigen Vereins hatten die ehemaligen Vorstandsmitglieder Keßler, Schweizer und Wehe auf den 18. April 1950 in den Goldenen Hirsch aufgerufen. Über die diskussionsreiche Wiederbelebung liegt uns folgender Bericht vor: "Gestern Abend trafen sich im "Goldenen Hirsch" die Interessenten, die von den ehemaligen Vorständen des Gemeinnützigen Vereins geladen waren, um, wie Herr Karl Schweizer in seiner Begrüßungsansprache erwähnte, darüber abzustimmen, ob der Gemeinnützige Verein in Sandhofen wieder aufleben solle, wie er vor 1933 bestanden habe".

In den nachfolgenden 50ziger Jahren waren Themen wie der Neubau der Kläranlage (ab 1952), der Ausbau der Umgehungsstraße B44 (ab 1957), die Neueröffnung der Volks- und Musikbücherei, benannt nach Adalbert-Stifter (1956), der Bezug des neuen Polizeireviers im Isolierbau des "Alten Krankenhauses" (1958) und der Neubau des Postamtes auf der Tagesordnung des Gemeinnützigen Vereins.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende positive Entwicklung der alten und neuen Sandhofener Vereine führte zu einer intensiven Zusammenarbeit des Gemeinnützigen Vereins mit den reichlich vorhandenen und vielfältigt ausgerichteten Vereinen. 1967 mündete diese Entwicklung in die Gründung des Arbeitskreises Vereine. Gerade in diesem engen Zusammenhalt zwischen dem Gemeinnützigen Verein und den hießigen Vereinen war auch die enorm günstige Entwicklung gesellschaftlicher Veranstaltungen begründet.1950 besuchten über 10.000 Menschen den Sandhofer Weihnachtsmarkt im Morgenstern. Ab 1951 gab es Heimatabende mit ansehnlichen Programmen, die von örtlichen aber auch überregional bekannten Künstlern ausgestaltet wurden, seit Anfang der 80ziger Jahre die sehr beliebten Bürgerbälle. Die Tradtion des Weihnachtsmarktes wurde ab 1981 durch die Durchführung des Sandhofer Adventsmarktes fortgeführt. Diese hat sich ebenso bis zum heutigen Tag erhalten, wie auch die Sandhofer Kerwe, die - seit 2006 mit neuem Konzept - über die Grenzen Sandhofens hinaus bekannt und beliebt ist.

Mit einem Dia-Vortrag und Bilddokumenten zur Geschichte Sandhofens leitete Stadtrat Heinrich Kirsch 1963 die Festwoche zurm 50zig jährigen Eingemeindunggsjubiläum vor. Er hatte schon seit 1957 begonnen, Material zur Heimatgeschichte zusammenzutragen und war bereits 1959 mit zwei Vorträgen beim Gemeinnützigen Verein an die Öffentlichkeit getreten. Aus diesen Anfängen entwickelte sich das spätere Heimatmuseum Sandhofen, dessen langjähriger Vorsitzender Heinrich Kirch war. Die dritte Sparte der heutigen Bürgervereinigung - der Arbeitskreis Kultur und Heimatkunde - entstammt der Initiative Heinrich Kirschs.

1961 wurde das neue Sandhofer Schwimmbad eingeweiht und der Sandhofer Kunstmalers Willi Wernz hatte eine große Austellung in der Kunsthalle Mannheim. 1962 wurde das Sandhofer Diakonissen-Schwesternhaus fertig gestellt, 1964 wurden der Schulhausneubau der Sandhofen Schule und die Straßenbahnendschleife eingeweiht.

In der Vorstandssitzung des Gemeinnützigen Vereins im März 1967 im "Waldhorn" nahm die seit einiger Zeit entfachte Diskussion wegen einer Umorganisation des Gemeinnützigen Vereins und der Arbeitsgemeinschaft Sandhofer Vereine einen breiten Raum ein. Karl Keßler, inzwischen Vorsitzender beider Gremien, schlug aus plausiblen Gründen eine Verschmelzung der beiden Organisationen vor. Der festgefügte, fast 50 Jahre alte Gemeinnützige Verein Sandhofen e.V. und der lose Zusammenschluß der Sandhofer Vereine existierten nebeneinander und verfolgten großteils gleiche Ziele. Es erschien der Mehrheit der Versammlung wenig sinnvoll, daß Sandhofen zwei Vereine hat, die gleichermaßen der Öffentlichkeit dienen sollten. Kessler schlug vor, unter neuem Namen weiterzuarbeiten. Nach einer Auswahl von Namen einigte man sich auf "Gemeinnützige Bürgervereinigung". Zu dem seit 1963 existierenden und von Heinrich Kirsch geführten Arbeitskreis "Heimatforschung" sollten weitere gebildet werden. Vorgeschlagen wurden "Arbeitskreis Vereine" und "Arbeitskreis Kommunalpolitik". Am 11. September 1967 gab die arbeitsgemeinschaft Sandhofer Vereine ihre Zustimmung zur Fusion und am 21. September konnte die Gemeinnützige Bürgervereinigung aus der Taufe gehoben werden.

1988 konnte die Bürgervereinigung gemeinsam mit den Sandhofer Vereinen die einmalige 1100 Jahrfeier Sandhofens eindrucksvoll gestalten und mit der Bevölkerung ausgelassen feiern. 2013 konnten die Feierlichkeiten zur 100jährigen "Einverleibung" der Gemeinde Sandhofen in die Sadt Mannheim mit einer Festveranstaltung und im Beisein des Oberbürgermeisters Dr. Peter Kurz begangen werden. Sandhofen hat sich nach 100 Jahren zu einem modernen Vorort Mannheims entwickelt. Auch die Bürgervereinigung modernisiert sich - insbesondere personell und strukturell - stetig, um auch im 21. Jahrhundert ihren eigenen Ansprüchen und den äußeren Anforderungen gerecht zu werden, stets das Ziel vor Augen, Sandhofen voran zu bringen und vor Allem seinen Bürgerinnen und Bürgern zu dienen.

Der Inhalt dieses geschichtlichen Abrisses beruht zum großen Teil auf den Veröffentlichungen und Publikationen von Alfred Heierling, die in dem Buch "75 Jahre Gemeinnützige Bürgervereinigung Sandhofen e. V.", 1993 ausführlich dargestellt wurden. Die Zusammenstellung der Rückblende wurde von Roland Keuerleber verfasst.