Das Heimatmuseum Sandhofen

Das in der ehemaligen Gewerbeschule untergebrachte Heimatmuseum hat die Ortsgeschichte Sandhofens zum Mittelpunkt. Die Ausstellung zeigt beachtliche vor- und frühgeschichtliche Funde und dokumentiert anhand anschaulicher Objekte und Dokumente die Meilensteine der Ortshistorie Sandhofens.

Zu sehen sind neben Zeugnissen des konfessionellen Lebens unter anderem Einrichtungen zu den ortstypischen Handwerksbetrieben, wie Tabakverarbeitung, Schuhmacher, Uhrmacher und Sattler. Im nahegelegenen Bunker in der Birnbaumstraße zeigt das Zeithistorische Museum Mannheim (ZGMA) eine Ausstellung der Geschichte der Luftfahrt in Mannheim, angefangen vom Ankerplatz für Luftschiffe zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über den 1936 errichteten Fliegerhorst Sandhofen, bis zur Entwicklung der Coleman-Barracks nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Heimatmuseum hat jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 14:00 bis 17:00 Uhr (außer in den Sommerferien) und nach telefonischer Vereinbarung geöffnet.

Kontaktdaten:
Heimatmuseum Sandhofen
Bartholomäusstraße 12
68307 Mannheim
Tel. 0621 - 77 21 32 (Helga Weber, Vorsitzende)



Museumsfest 2017

Vorsitzende Helga Weber "pendelte" zur Begrüßung zwischen Küche und Mikrofon
Das Drum & Bugle Corps "The Golden Lions" begeisterte mit seiner Interpretation und Choreografie zu "Eye of the tiger"
Andreas Bayer und Harald Birli sorgten dagegen als "Mini-Duo" für Maxi-Stimmung beim Publikum
Besucher und Gäste saßen entspannt unter den aufgestellten Zelten & plauschten gemütlich eine Runde miteinander...
...oder schwangen alternativ ganz spontan gemeinsam das Tanzbein (Fotos: Majewski)

"Mich deucht, das Größt' bei einem Fest ist, wenn man sich's wohlschmecken läßt" (Johann Wolfgang von Goethe). Betrachtet man dieses Zitat als Veranstaltungsmotto, darf das Team des Heimatmuseums Sandhofen auch 2017 getrost konstatieren: Ziel erreicht – beim Ende Juli diesen Jahres stattfindenden Museumsfest im Innenhof der Bartholomäusschule.

Ein Fest für Jung und Alt
So lohnte auch in diesem Jahr ein Besuch vor Ort, denn es waren – wie immer bei dieser Gelegenheit – nicht nur die Museumsräumlichkeiten zur Besichtigung geöffnet, auch für Leib und Magen war reichlich etwas geboten an diesem Tag. Wie es sich für ein gelungenes Fest gehört, war natürlich auch musikalisch für jeden Geschmack etwas dabei. Dem eigenen Anspruch an die Kulinarik wurde mit einer ansprechenden Auswahl selbst gemachter Speisen Rechnung getragen, die auch 2017 den Geschmack vieler Gäste traf. Freunde gutgemachter "Rauchwaren" wurden indes an der Grill-Station fündig, an der appetitanregender Duft den Weg zu Steaks und knusprigen Bratwürsten wies – selbst ohne Navi im Gepäck. Zahlreiche Kuchenspenden trugen dazu bei, dass sich das äußerst ansprechende Kuchenbuffet am Ende zu Recht als "Sahnehäubchen" des kulinarischen Angebots betrachten durfte.

Musik, die Lust auf mehr machte
In der Rubrik Unterhaltung setzten die Veranstalter nicht auf Quantität, sondern auf örtliche Qualität. So durften sich die gutgelaunten Gäste zur Mittagszeit zunächst über die heiteren Liedbeiträge des Sängerbundes Sängerlust freuen, der so manch spontanes Mitsummen initiierte, bevor am Nachmittag der Auftritt des Sandhofener Drum & Bugle Corps "The Golden Lions" einen musikalischen Akzent setzte, bei dem nicht nur die Instrumente glänzten. 

Klein, aber fein
Den krönenden Abschluss der musikalischen Reise des Tages bildeten Andreas Bayer und Harald Birli, die zu diesem Anlass im spontanen "Mini-Duo-Format" angetreten waren. Bayer & Birli, beide bestens bekannt für ihr musikalisches Wirken innerhalb des Akkordeon Orchesters Sandhofen 1934 (dort allerdings in der Regel in deutlich größerer Besetzung antretend) zeigten auf eine zum Anlass passende und äußerst gelungene Art und Weise, dass gut gemachte Musik auch in kleinem Rahmen und ohne viel Schnick-Schnack extrem begeistern kann. "Bewaffnet" nur mit Akkordeon und Keyboard, überzeugten die beiden routinierten Musiker mit einer gelungenen Mischung ganz unterschiedlicher Musik-Genres. Und hielten dabei so manche Überraschung für das Publikum bereit, wie zum Beispiel der Titel "Sema Milele" – ein Reggae-Stück, das spontan mitriss – bewies, der vom Publikum zu Recht mit lange anhaltendem Applaus bedacht wurde. 

Nachsitzen der anderen Art
Noch lange, nachdem der "offizielle" Bühnenteil längst beendet war, unterhielt Bayer – zwischenzeitlich mitten unter den Festgästen sitzend – die Besucher noch bis in den späten Nachmittag hinein mit einem Potpouri bekannter Melodien. Und änderte damit ganz unverhofft den Zeitplan so manchen Besuchers, der aus diesem Grund deutlich länger unter dem gemütlichen Blätterdach im Innenholf verweilte, als ursprünglich geplant.

Bunte Gästeschar
Unter den Gästen des Tages, die an rustikalen und gut besetzten Biertischgarnituren gemütlich miteinander plauderten, fanden sich neben Vereinsmitgliedern, Freunden und Sponsoren des Vereins auch Vertreter der örtlichen Lokalpolitik ein, darunter Prof. Dr. Egon Jüttner, der in Begleitung der Familie vorbeischaute – sowie sein Parteikollege Nikolas Löbel und Dr. Stefan Fulst-Blei, der bereits zu Beginn der Veranstaltung erschienen war. Ebenso freute sich das Museums-Team über den Besuch von Hubert Kolkhorst als Vertreter der Heddesheimer Interessengemeinschaft Heimatverein. Der Dank der Veranstalter gilt zudem allen Besuchern und Gästen, die an diesem Tag den Weg ins Heimatmuseum gefunden haben.

Wir ziehen den Hut
Wird über eine Veranstaltung berichtet, bleiben viel zu oft all diejenigen ungenannt, ohne die eine solche Veranstaltung gar nicht machbar wäre – die Menschen vor, vor Allem aber die vielen helfenden Händen "hinter den Kulissen". Wir möchten uns daher mit diesem Beitrag insbesondere bei all jenen Menschen bedanken, die tatkräftig zum Gelingen des Museumsfestes 2017 beigetragen haben. Einen ebensolchen Dank richten wir an das STS-Biotopia-Team, deren Einsatz ein echter Gewinn war!


Museumsfest 2016

Gut gelaunte Gäste genossen das entspannte Miteinander in lockerem Ambiente
Der Mann an der Geige, versunken im Spiel: Vadim Raz
Der Shanty-Chor Mannheim 1982 hat sie definitiv: die "eingebaute Schunkel-Garantie"
Perfekte Vorsorge - sollten Stimmung oder Wetter wider Erwarten einmal baden gehen... (Fotos: Heimatmusuem Sandhofen e. V.)

Auch 2016 zeigte sich das Heimatmuseum Sandhofen zu Beginn der Sommerferien in Feierlaune und lud Interessierte, Freunde, Mitglieder und Unterstützer zum alljährlichen Museumsfest in den Hof der Bartholomäusschule ein. Eine Einladung, der Viele gerne folgten – und so fanden sich die aufgestellten Biertisch-Garnituren recht schnell in fröhlicher Gesellschaft wieder. In so guter sogar, dass noch vor Mittag "Zuwachs" in Form zusätzlicher Garnituren anstand.

Bei entspannter Ferienstimmung und angenehmen Temperaturen ließ es sich an diesem Tag unter sanft rauschendem Baumbestand aber auch bestens unter den aufgestellten Zelten aushalten, zumal die "Versorgungskette" dank gut eingespieltem und ausdauerndem Heimatmuseum- und Helferteam erneut einwandfrei funktionierte. Eine Gemeinschaftsleistung, für die sich die Veranstalter auch an dieser Stelle nochmal einmal recht herzlich bei allen Beteiligten bedanken möchten.

Während die einen mit Engagement im Team "werkelten", erfreuten sich die Gäste an der bunten Vielfalt aus appetitlich Gegrilltem, Klassischem (wie Rinderrouladen und Hühnerfrikassee), Deftigem (gereicht als Chilli con Carne) und den gebotenen Extra-Schmankerln wie Bier- und Winzergulasch. Freunde des Süßen konzentrierten sich stattdessen mehr auf die ansprechend präsentierte Kuchen- und Tortenauswahl, wobei die Variante für "Diätgebeutelte mit Niveau" an diesem Tag darin bestand, nicht auf den Kuchen, sondern auf die Sahne zu verzichten. Auch der angebotene Eiscafé fand dankbare Abnehmer, so dass auch hier nochmals "nachgelegt" werden musste. Da sich Kuchen bekanntermaßen auch prima als Nach(t)tisch-Option eignet, sicherten sich Clevere wie auch "Wiederholungstäter" aus den Vorjahren schon bei Ankunft ihr "Bonus-Paket" für Zuhause. Geheimtipp für kommendes Jahr: unbedingt nachmachen - es lohnt sich!

Doch nicht nur das gut gelaunte Publikum trug an diesem Tag zur gemeinsamen Unterhaltung bei – auch musikalisch war Vielfalt geboten: Mit Vadim Raz zogen zunächst zarte Geigenklänge über das Gelände und ließen keinen Zweifel daran, dass der Arthur Rimbaud (franz. Dichter und Lyriker, 1854-1891) zugeschriebene Ausspruch: "Was kann das Holz dafür, wenn es als Geige erwacht?" nur eine Interpretation als Antwort zuließ: vermutlich nichts. Freuen durfte man sich stattdessen darüber, dass besagtes Holz an diesem Tag in äußerst fähigen Händen lag, die virtuos damit umzugehen verstanden.

Eine gänzlich andere – wenngleich ebenso unterhaltsame – Art von Musik präsentierte am Nachmittag der Shanty-Chor Mannheim 1982, der mit seinem Repertoire sowohl zum fröhlichen Mitsingen, als auch zum spontanen Mitschunkeln einlud. Ein Chor, der übrigens nicht nur musikalisch, sondern auch dank seiner sympathischen Besetzung für entspannte und heitere Stimmung sorgte – und das bei Jung und Alt gleichermaßen.

Schöne Begebenheit am Rande: Unter den Anwesenden fanden sich an diesem Tag nicht nur ortsnahe Besucher, die die Gelegenheit nutzten, sich die am "Tag des Offenen Denkmals" (findet 2016 am 11. September statt) letztmalig zu besichtigende Sonderausstellung "Dampfmaschinen des vorherigen Jahrhunderts" anzuschauen, sondern auch Urlaubsgäste aus Dänemark und der Schweiz, die sich so gut angenommen fühlten, dass sie sich beim Gehen ebenfalls mit "Kuchen-Proviant" eindeckten. Wir finden: Daumen hoch für diese Völkerverständigung à la Heimatmuseum Sandhofen!


3. Bunkertreff im Zeitgeschichtlichen Museum Mannheim (ZGMA)

Dirk Schulz und Helga Weber bei der gemeinsamen Eröffnung im Kreis interessierter Gäste
Das Drum & Bugle Corps "The Golden Lions" war ebenfalls mit von der Partie (Fotos: Majewski)

Am Samstag, den 28. Mai 2016 war es wieder soweit: Das Zeitgeschichtliche Museum Mannheim (ZGMA) – angegliedert an das Heimatmusuem Sandhofen e. V. und untergebracht in einem 1944 erbauten Hochbunker in der Birnbaumstraße – lud interessierte Besucher zum 3. Bunkertreff seit Bestehen dieses ungewöhnlichen Museums im nördlichsten Stadtteil Mannheims ein.

Dirk Schulz, Leiter des ZGMA, freute sich gemeinsam mit Vorstand und Helferteam des Heimatmuseums Sandhofen e. V. über die gute Resonanz seitens des Publikums, fand "seine" Veranstaltung doch zeitgleich mit dem Mannheimer Stadtfest statt und musste sich an diesem Wochenende nicht nur gegen einige weitere Veranstaltungen im näheren Umland behaupten, sondern auch den diesjährigen, ungewöhnlich turbulenten Wettereskapaden Ende Mai trotzen.

Doch noch vor Eröffnung um 11 Uhr warteten bereits etliche Interessierte auf Einlass und bei der kurzen, gemeinsamen Eröffnungsrede von Dirk Schulz und Helga Weber – 1. Vorsitzende des Heimatmuseums Sandhofen e. V. – waren es bereits rund 35 Besucher, die sich auf einen entspannten Rundgang durch die mit etwa 100 neuen Exponaten bestückte Dauerausstellung in der Birnbaumstraße freuten, die auf der zwischenzeitlich auf zwei Etagen erweiterten Ausstellungsfläche auf nähere Inaugenscheinnahme und sachkundige Erläuterungen des Museumsleiters warteten. 

Da man sowohl im ZGMA als auch im Heimatmuseum Sandhofen generell großen Wert auf Authentizität legt, gab es auch an diesem Tag mehr als "nur" Wissen zum Anfassen: Dem Zeitalter der präsentierten Stücke angepasst, wartete auf die Besucher im Bunker selbst gemachte Brotsuppe und Gerstenkaffee zum Verzehr – letzteres bei vielen Besuchern noch unter dem Begriff Ersatz-Kaffee oder auch "Muckefuck" in Erinnerung geblieben. Dem Temperaturunterschied Rechnung tragend, wurden "zurück an der Oberfläche" unter einem Zelt kühle Getränke serviert, bevor zum Ausklang der Veranstaltung das Golden Lions Drum & Bugle Corps aufspielte und gute Laune versprühte.

Das ZGMA und seine Exponate:
Gezeigt wird in diesem außergewöhnlichen Ambiente eine Vielfalt von Exponaten, die von Gebrauchsgegenständen über Militäruniformen reichen, Waffen, Bilder und zeitgeschichtliche Dokumente beinhalten und überwiegend aus der Zeit des 1. Weltkrieges bis zur amerikanischen Besatzung nach dem 2. Weltkrieg stammen. Der Schwerpunkt des Gezeigten liegt dabei im Bereich der Luftfahrt und Militärgeschichte Mannheims und gewährt gleichzeitig lokalen Bezug zu Sandhofens eigener Geschichte.

Das ZGMA ist – analog zu den Öffnungszeiten des Heimatmuseums Sandhofen e. V. – jeden 1. und 3. Sonntag im Monat geöffnet. Weitere Informationen finden Sie unter: www.zgma.de


Arbeitskreis Kultur und Heimatforschung unterwegs im "Schwabenländle"

Schnapsmuseum im Steinhaus, Bönnigheim
Wasserschloss Glatt
Blick auf die Nikolauskapelle, den Hermann-Hesse-Platz und im Hintergrund das "Rössle" in Calw

Der Arbeitskreis Kultur und Heimatforschung geht regelmäßig auf Reisen. Das war auch im Jahr 2014 so. Bei der gemeinsamen Fahrt am 27. September beispielsweise lockte das "Schwabenländle". Nachfolgend ein kleiner Reisebericht:

Rund eineinhalb Stunden Fahrt - und der erste Stopp an diesem Tag hieß Burgparkplatz Bönnigheim. Noch ein kurzer Spaziergang, dann war es erreicht: Das „Schwäbische Schnapsmuseum", das in einem alten Steinhaus sein 20-jähriges Jubiläum feierte. Hier wurde zuerst ein reichhaltiges Frühstück eingenommen, bevor die Besonderheiten dieses Museums auf die Teilnehmer warteten.

Klarer Publikumsmagnet: Ein Raum, der mit Exponaten der Schwarz- und Geheimbrennerei ausgestattet ist. Zwölf komplette Schnapsbrennereien veranschaulichen im Detail die Entwicklung der Destillationstechnik.

In einem anderen Raum war mehr über den Brauch zu erfahren, über den erst im Jahre 2008 der Nachweis erbracht wurde. Und zwar darüber, wie man früher Nachgeburten in Tonkrügen im Kelterboden (Lehm) bestattet hat, um Unheil von dem geborenen Kind und der Mutter abzuwenden. Ein Brauch, dem mit heutiger Erkenntnis wohl strengste Verschwiegenheit galt.

Diese eindrücklichen Erfahrungen ließen sich bei der Weiterfahrt im Bus verarbeiten. Nächster Halt: das Wasserschloss Glatt. Bevor sich die Teilnehmer hier den drei integrierten Museen - Bauernmuseum, Adelsmuseum und Kunstmuseum - zuwendeten, ließ man es sich im Schlosscafe, das in eine gänzlich andere Welt einlud, gutgehen. Nach dem Kaffeegenuss war es dann an der Zeit, sich zu bewegen und die Museen zu besuchen oder, je nach Gusto, zu einem Spaziergang rund ums Schloss zu starten.

Zeit zum Aufbruch - und alle nahmen wieder Platz im Bus, um zum Abschluss in das Nagoldtal nach Calw in den Geburtsort von Hemnann Hesse zu fahren. Ein kurzer Spaziergang führte abschließend - vorbei an wunderschönen Fachwerkhäusern - zum Restaurant „Rössle", wo die Gruppe, ganz in der Nähe der Statue von Herrmann Hesse, zum Abendessen einkehrte.

Sowohl mit Wissen als auch mit bleibenden Eindrücken gespeist, traten die Teilnehmer den Heimweg an. Und sind sich einig: Die nächste Fahrt darf kommen!


Vortrag von Dr. Klaus Wirth

Die mit viel Zuschauerinteresse bedachte, kleine Studioausstellung im Heimatmuseum Sandhofen nähert sich in wenigen Tagen ihrem Ende. Grund genug, die einzelnen Glanzlichter durch eine abschließende Betrachtung noch einmal aufzuhellen.

Von großer Bedeutung bleibt dabei die früh-keltische Siedlung im Neubaugebiet nördlich der Groß-Gerauer-Straße. Von Haupt- und Ehrenamtlichen vor Beginn der Baumaßnahmen ausgegraben, stellt sie heute ein Forschungsobjekt besonderer Güte dar. Eine junge Doktorandin aus Bonn wird voraussichtlich zum Ende dieses Jahres ihre Ergebnisse zu Untersuchungen der vielen Einzelfunde, aber auch der Siedlungsstruktur vorlegen. Mehrere tausend Funde gehörten zu einer Siedlung, die auf fast 10.000 m2 Grubenhäuser zur textilen Verarbeitung, ein Wohnhaus, viele Kochgruben und noch mehr Vorratsgruben beherbergte.

Ein Importstrom konnte bald festgestellt werden: Aus der so genannten Hunsrück-Eifel-Kultur stammen Tongefäße und Basaltlava für Mühlsteine. Dass die Archäologen nur einen verschwindend kleinen Teil einer riesigen, nach Norden sich ausdehnenden Siedlung ausgegraben haben, verdeutlichen Luftfotos aus den frühen 1990-er Jahren. Teil von keltischen Siedlungen waren auch zahlreiche Körpergräber, die beim Bau von IKEA entdeckt wurden. Mehrere hundert Jahre später wurde im ehemals keltischen Siedlungsgebiet eine (reiche) Alamannin beerdigt. Woran sie starb, konnte auch der lebendige Vortrag zur Anthropologie von Amelie Alterauge nicht verraten. Äußerlich trug sie keine Verletzungen, so dass sie vermutlich eines natürlichen Todes starb. Die Anthropologin lüftete jedoch manche Geheimnisse zur Vitalität der jungen Frau, die auf ihrer Jenseitsreise nur von wenigen Habseligkeiten begleitet wurde. Tongefäß, Bernsteinperlen und ein Halsring aus Messing in der Grabausstattung, fanden Parallelen einer Toten in Hockenheim. Die Alamannin war auch in Sandhofen unter ihresgleichen.

Zahllose Einzelrunde zwischen den Gräbern des 6./7. Jahrhunderts im Gewann „Steinäcker/Hoher Weg" bezeugen ein ausgedehntes Siedlungsgebiet der Alamannen des 4./5. Jahrhunderts. Weitere Fundstellen sind zu erwarten, wenn die Baustellen regelmäßig archäologisch begleitet werden. Für eine archäologische Sensation sorgte seit 2010 die Entdeckung einer Niederungsburg aus dem 11./12. Jahrhundert. Trotz großer Bemühungen konnten in den zahlreichen Baugruben am Werner-Nagel-Ring keine weiteren Hinweise zu Strukturen dieser in Schriftquellen gänzlich unbekannten Burg gewonnen werden. Allerdings sind Schriftquellen, die von Fehden unter adligen Bewohnern der Gegend berichten, nicht objektbezogen ausgewertet worden. Die Zusammenarbeit zwischen Mittelalterhistorikem und Archäologen wird da sicherlich noch Neues zur Regionalgeschichte beitragen. Dr. Klaus Wirth / 23. 4. 2014


Ausstellung „Archäologische Glanzlichter"

Am Sonntag, den 26. Januar 2014 begann pünktlich um 11.00 Uhr die Ausstellung "Archäologische Glanzlichter" im Heimatmuseum Sandhofen mit Fachvorträgen von Dr. Klaus Wirth als Fachmann für keltische Siedlungen, und der Anthropologin Amelie Alterauge. Der Veranstalter hatte mit dem Andrang von ca. 70 interessierten Bürgerinnen und Bürgern nicht gerechnet. Amelie Alterauge verstand es ausgezeichnet, das Publikum mit ihrem Wissen zu fesseln.

Dr. Klaus Wirth führte aus, dass bereits 2007 im Norden des Stadtteils auf einer Fläche von ca. 1,2 Hektar Reste einer keltischen Siedlung gefunden worden waren. Man habe zwar nicht alle Fundstücke aus den damaligen Ausgrabungen im Neubaugebiet Groß-Gerauer-Straße erhalten, „aber was vor Ort ausgestellt ist, lohnt sich anzuschauen", so Helga Weber, Vorsitzende des Heimatmuseums. „Eine kleine, aber feine Ausstellung" fuhr sie fort. Sie hoffe, dass in den kommenden Monaten möglichst viele Besucher von den "Archäologischen Glanzlichtern" in die Bartholomäusstraße angelockt werden.

Die Exponate sind Leihgaben der Reiss-Engelhom-Museen und sollen bis Anfang Mai in Sandhofen zu sehen sein. Schon lange besteht zwischen dem Heimatmuseum und dem Reiss-Engelhorn-Museum eine sehr gute Zusammenarbeit. Es sind vor Allem Haushaltsgegenstände ausgestellt. Datiert sind die Funde auf das fünfte und vierte Jahrhundert vor Christus.

80 von 300 in der Groß-Gerauer-Straße freigelegten Einzelstücken sind nun in der Ausstellung zu sehen, darunter Reste von Backplatten, Töpfen mit Schrägrand, Schalen und Schüsseln. Gleichfalls zutage traten Reste von Trachten eines frühkeltischen "Sandhofeners", eine bronzene Miniaturarmbrustfibel sowie Fragmente dreier unverzierter Drahtringe beziehungsweise eines Bronzerings.

Auch handwerklich waren die Siedlungsbewohner gut ausgestattet, wie sich anhand eines Garnwicklers und einiger Webgewichte nachweisen lässt. Ein echter Augenfang ist zudem das Gehänge mit dazugehörigen Bernsteinperlen, das 2011 in einem freigelegten Grab einer Alemannin in der Groß-Gerauer Straße 79 gefunden wurde.

Diese Sonderausstellung war bis Anfang Mai 2014 im Heimatmuseum zu sehen.